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„Die Startup-Szene im Rheinland muss wachsen“

Vom 29. bis zum 31. Januar 2016 findet, zum insgesamt vierten Mal, das Startup Weekend Cologne statt. Wir unterhielten uns mit Carolin Gattermann, verantwortlich für die Unternehmenskommunikation und PR des Startup-Inkubators Startplatz, der die Veranstaltung im Kölner Mediapark ausrichtet.

 

Wer veranstaltet das Startup Weekend Cologne?

Das Kölner Event reiht sich seit 2013 in die weltweite Startup Weekend-Initiative ein, die 2008 im US-amerikanischen Boulder aus der Taufe gehoben wurde. Von Auckland über Tokyo, Rio de Janeiro und San Francisco bis Teheran, Sarajevo und Warschau nahmen in den letzten Jahren über 200.000 Teilnehmer an Startup Weekends in mehr als 135 Ländern teil und gründeten bereits mindestens 8.190 Startups. Initiator ist die Non-profit-Organisation UP Global, die 2015 von Techstars, einem amerikanischen Startup Accelerator, übernommen wurde. Alle Organisatoren der einzelnen Veranstaltungen – Organisatoren, Coaches, Jury, Volunteers et cetera – sind ehrenamtlich und pro-bono tätig.

 

Was genau passiert denn an diesem Wochenende?

Ziel der Veranstaltung ist es, dass die Teilnehmer in Teams innerhalb von 54 Stunden eine Gründungsidee bis zum Prototyp weiterentwickeln und in die Realität umsetzen. Die Teams werden zu Beginn zusammengestellt und bestehen aus jungen Gründungsinteressierten unterschiedlichster Bereiche. Unterstützung bei der Entwicklung bieten während des gesamten Wochenendes viele Experten und Mentoren aus verschiedenen Branchen. Am Ende findet eine Abschlusspräsentation aller Teilnehmer und eine Siegerehrung durch eine Expertenjury statt. Die Grußworte wird dieses Jahr Kölns Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes sprechen.

 

Wer nimmt an den Pitches teil?

Die Teilnehmer sind bunt gemischt: Designer, IT-Entwickler, Business-Experten und allgemein Gründungsinteressierte. Bei der Veranstaltung und in der gesamten Kommunikation wird englisch gesprochen, daher gibt es auch einige internationale Teilnehmer, in den vergangenen Jahren zum Beispiel aus dem Iran, Ägypten und Thailand. Auch in diesem Jahr haben wir schon Anfragen aus Singapur, Korea und China.

 

Welche Expertise bringen die Coaches und Juroren mit?

Die meisten Coaches und Juroren sind selbst erfolgreiche Gründer, Geschäftsführer und/oder Experten auf ihrem Spezialgebiet.

Ausführlichere Infos zu den Coaches und der Jury auf englischer Sprache finden Sie hier:
http://www.up.co/communities/germany/cologne/startup-weekend/8219

 

Welche Erfolgsgeschichten hat die Veranstaltung bislang hervorgebracht?

Da unser Event erst drei Mal stattgefunden hat, gibt es noch nicht so viele Geschichten zu erzählen, aber immerhin ein paar. Nicola Römer arbeitete beim Startup Weekend mit ihrem Team an ihrer Idee „Kulturkiste“ – sie hat an der Idee weitergearbeitet und mittlerweile heißt ihre Firma „Schatztüte“ (https://schatztuete.de/). Aktuelle Stipendiaten im Startplatz sind mytoolboy.de, eine Plattform zum Leihen von Werkzeug (statt es teuer zu kaufen) – die Idee entstand aus dem letzten Startup Weekend Women in Düsseldorf. Nora Grazzini (Radbonus), und Ben Sufiani (leanTeam.org) haben zwar nicht an ihrer ursprünglichen Idee weitergearbeitet, aber von der Veranstaltung viel Feedback, Wissen und Erfahrung mitgenommen und sind mittlerweile selbst erfolgreiche Gründer, wie sie uns für unseren Blog im Interview verrieten. Auf unserem Blog werden wir weiterhin Interviews mit ehemaligen Teilnehmern veröffentlichen, die von Ihren Erfahrungen und Projekten berichten: http://www.up.co/communities/germany/cologne/blog

 

Wie beurteilen Sie die Startup-Szene in Köln und Umgebung?

Köln hat bisher die größte Startup-Szene in NRW. Um es jedoch in die Liga der großen Startup-Hubs wie Berlin oder Tel Aviv zu schaffen, müssen wir Städtegrenzen überwinden und eine rheinische Gründerszene aufbauen. Die Startup-Szene im Rheinland wächst stetig, ist aber nicht so groß, dass man in der Masse untergeht, wie es beispielsweise häufig in Berlin der Fall ist. Ein großer Vorteil des Rheinlandes ist seine Vielseitigkeit in Industrie, Wirtschaft und Wissenschaft. In Aachen gibt es zum Beispiel die Techniker und Ingenieure, in Köln die Medien, in Düsseldorf die Marketer und Kreativen – und städteübergreifend die vielen namhaften Großkonzerne und einen gesunden Mittelstand. Hier können fruchtbare Synergien zwischen Old und New Economy entstehen. Es gibt hier in der Region außerdem besonders viele Entwickler, die Gaming-Branche ist nach wie vor sehr stark.  

 

Was müsste noch besser werden?

Die Startup-Szene im Rheinland ist bereits stark, aber sie muss noch deutlich wachsen, um national wie international Beachtung zu finden. Dafür müssten sich mehr junge innovative Köpfe trauen zu gründen – auch, wenn das ein mutiger, risikoreicher Schritt ist. Es würde sicher helfen, wenn die jungen Leute bereits in der Schule oder an Universitäten und Fachhochschulen an das Thema Gründung / Entrepreneurship herangeführt werden. Das passiert noch viel zu wenig, und das Angebot zum Beispiel an spezifischen Entrepreneurship-Studiengängen ist sehr gering. Beim Startup Weekend können interessierte junge Menschen erst einmal Startup-Luft schnuppern, ihre Idee von anderen Teilnehmern und Experten evaluieren lassen und ausarbeiten – mit Spaß und ohne Risiko. Des Weiteren gewinnt in der Politik sowohl auf Landes- als auch auf Städte-Ebene, das Thema Gründung / Startups mittlerweile immer mehr an Bedeutung, das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Aber auch hier ist noch Luft nach oben.  

 

 

Stand: Januar 2016