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Deutsche Zeitungsbranche:
Digitalgeschäft legt zu

Die deutschen Fach- und Publikumsverlage haben dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) zufolge 2018 einen Branchenumsatz von 20,6 Milliarden Euro (2017: 14,8 Milliarden Euro) erwirtschaftet. Das Digitalgeschäft und weitere Geschäftsfelder werden 2019 erstmals über die Hälfte der Umsätze ausmachen. 

Die im Vergleich zum Vorjahr deutliche Umsatzsteigerung basiert auf der Umstellung der Berechnungsmethode der Deutschen Fachpresse im vergangenen Jahr und der jetzt vom VDZ durchgeführten Neuberechnung der Vertriebsumsätze aller über die IVW hinausgehend erfassten Publikumszeitschriften, so dass deutlich mehr Titel mit ihren Umsätzen berücksichtigt werden. Dadurch lagen die Umsätze der Deutschen Fachpresse 2017 insgesamt bei 7,65 Mrd. Euro (2016: 3,4 Mrd. Euro). Die 2018er-Zahlen der Fachzeitschriften liegen noch nicht vor. Es wird wieder ein moderater Umsatzanstieg im Vergleich zu 2017 erwartet.

Die Fach- und Publikumsverleger werden der heute vorgestellten VDZ-Trendumfrage zufolge auch 2019 ihre Innovationsstrategie fortsetzen. Fast jeder zweite Verlag (45 Prozent) plant neue periodische Printtitel und 60 Prozent der Häuser neue Print-Sonderausgaben. Nahezu jeder vierte Zeitschriftenverlag will neue digitale journalistische Angebote auf den Markt bringen, den Launch neuer Podcast-Formate haben 38 Prozent vor. 2018 erreichte die Zahl der Printtitel in Deutschland laut Wissenschaftlichem Institut für Presseforschung und Medienberatung aus Köln mit insgesamt 1.625 mindestens quartalsweise erscheinenden Publikumszeitschriften eine neue Höchstmarke, von denen praktisch alle auch digitale Kanäle bespielen.

„Mit rund vier Milliarden Euro Umsatz vom Leser, 1,6 Milliarden am Kiosk verkauften Magazinen pro Jahr, das sind rund 20 Magazine pro Einwohner, hat Deutschland weltweit den stärksten Zeitschriftenmarkt. Paid Content ist die tragende Säule des Zeitschriftengeschäfts“, betont VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer.

Beim Thema Paid Content sehen viele Verleger eine deutliche Entwicklung zu einer erhöhten Zahlungsbereitschaft der Nutzer. Nicht nur die Zahl der genutzten E-Paper-Ausgaben und der Online-Abos ist deutlich gestiegen, auch die Umsätze haben laut Schätzung des Fachdienstes ‚pv digest‘ bei Zeitschriften und Zeitungen fast 400 Mio. Euro im Jahr erreicht. Fachzeitschriften erzielen bereits Paid-Content-Umsätze jenseits der Milliarden-Euro-Grenze. Nicht die ältere, zahlungskräftigere Klientel zahlt am häufigsten für kostenpflichtigen Online-Journalismus, sondern die weitaus jüngeren Digital Natives. Laut einer PwC-Studie haben 39 Prozent der 18- bis 29-jährigen bereits einmal für Online-Medien bezahlt. Bei den 30- bis 39-jährigen sind es mit 34 Prozent auch noch mindestens doppelt so viele wie in den älteren Jahrgangsgruppen.

Die erwartete Geschäftsentwicklung der einzelnen Geschäftsfelder fällt unterschiedlich aus. Laut VDZ-Trendumfrage gehen die Zeitschriftenverleger von einem Wachstum des Digitalgeschäfts von 9,6 Prozent und bei den sonstigen Geschäften von fast vier Prozent aus. In den klassischen Geschäftsfeldern Anzeigen und Vertrieb erwarten die Verlage einen Umsatzrückgang in Höhe von 4,2 bzw. 3,5 Prozent. Beim Digital-Vertrieb wird dagegen mit einem Umsatzplus von 14,5 Prozent gerechnet. Damit werden sich die Umsatzanteile weiter zugunsten der Digitalerlöse und des sonstigen Geschäfts verschieben und 2019 zusammen erstmals bei knapp über der Hälfte liegen. Beim klassischen Printgeschäft (Anzeigen + Vertrieb) rechnen die Verleger für 2019 im Schnitt mit einem Anteil von 49,6 Prozent (2018: 55 Prozent), beim Digital-Geschäft mit 24,5 Prozent (2018: 23,5 Prozent) und beim sonstigen Geschäft mit 25,9 Prozent (21,5 Prozent).

Das Umsatzplus der Zeitschriftenbranche geht auch auf die positive Entwicklung der über 5.500 Titel der Deutschen Fachpresse zurück. Deutschland ist der vielfältigste B2B-Fachmedienmarkt weltweit. Durch die breit gefächerte Kompetenz und das anerkannte Knowhow der Fachpresse bestätigt sich deren Position als der Informationsquelle Nummer Eins für Entscheider immer wieder aufs Neue und ist damit Garant für weiteres Umsatzwachstum.

Immer mehr Verlage setzen auf Kooperationsmodelle und strategische Zusammenarbeit. Sowohl bei der Werbevermarktung als auch im Vertrieb wird verstärkt auf den Schulterschluss gesetzt. Auch bei sogenannten Maschinenraumthemen, etwa bei technischen Plattformen, Verwaltungssystemen oder Serviceplattformen, sind Kooperationen angesagt. Die neuen und weiterführenden Möglichkeiten leiten sich aus den Erleichterungen von Kooperationen zwischen Presseverlagen ab, die der Bundestag im Zuge der neunten Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen beschlossen hat. Damit wurden Kooperationen außerhalb des redaktionellen Bereichs vereinfacht. Diese Möglichkeiten werden auch im laufenden Jahr zu weiteren Kooperationen führen.

VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer: „Die Zeitschriftenverlage haben mit neuen Magazinkonzepten, erfolgreichen Digital- und Konferenzformaten und der Entwicklung moderner Marketinglösungen bei der Transformation ihres Geschäfts unternehmerisch gepunktet. Die deutsche Politik muss jetzt bei der Umsetzung der EU-Reform des Urheberrechts, der reduzierten Mehrwertsteuer und der balancierten Ausgestaltung der E-Privacy-Verordnung aktiv werden, um faire Bedingungen für Verlage am Markt zu schaffen.“